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Selbsthilfeinitiativen sind wichtige Partner für Patienten

 

Eine repräsentative Studie, die das Forsa-Institut im Auftrag der DAK durchgeführt hat (06/2010), bestätigt die Bedeutung von Selbsthilfeinitiativen. Bei schweren und seltenen Erkrankungen ist für die meisten Patienten der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen besonders sinnvoll. 56% der Deutschen finden sogar, dass Selbsthilfegruppen manchmal wichtiger sind als Ärzte und Psychologen. In der Untersuchung gaben fast 90 % der Befragten an, dass Selbsthilfegruppen eine sinnvolle Ergänzung zur ärztlichen Behandlung seien. Dies gelte vor allem bei psychischen Problemen wie zum Beispiel Depressionen oder bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Krebs. Bei chronischen Leiden wie Diabetes finden 65% den Austausch nützlich, bei Beziehungsproblemen in der Familie 58%.

 
Das Gespräch mit anderen Betroffenen wird vor allem in der Altersgruppe der 30- bis 60- jährigen gesucht. Jüngere Patienten holen sich vermehrt Rat bei Familie und Freunden oder gehen ins Internet. Laut Umfrage haben die meisten Befragten ihre Informationen zum Thema Selbsthilfe aus den Medien (63%) oder von Freunden (45%). Vom Arzt oder einer Krankenkasse wurden 22 bzw. 15% informiert. 8% der Befragten gaben an, dass sie selbst in einer Gruppe sind oder waren. 17% hatten keine genaue Vorstellung.

 

Soziale Kontakte verlängern das Leben

 

Laut einer Studie ist Einsamkeit genauso ungesund wie Rauchen. Soziale Beziehungen haben demnach einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Wer intensive Kontakte zu Verwandten, Freunden und Bekannten pflegt, lebt länger. Das bestätigt eine Metastudie, die Resultate zahlreicher Einzelstudien neu bewertet.

 

Danach sind mangelnde soziale Bindungen genauso ungesund wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag und doppelt so schädlich wie Fettleibigkeit. Ein weit gespanntes soziales Netz dagegen verringerte die Sterberate im jeweiligen Untersuchungszeitraum um die Hälfte, schreiben die Forscher im Online-Journal „PLoS Medicine“. Im Gegensatz zu anderen gesundheitlichen
Risikofaktoren sei dieser Zusammenhang aber der breiten Öffentlichkeit kaum bewusst. „Wer mit einer Gruppe verbunden ist und sich für andere Menschen verantwortlich fühlt, der achtet auch mehr auf sich selbst und geht weniger Risiken ein“, sagt Julianne Holt-Lunstad von der Brigham Young Universität in Provo, eine leitende Forscherin der Studie. Holt-Lunstadt und Kollegen werteten Daten von 148 bereits veröffentlichten Studien aus, die insgesamt mehr als 300 000 Menschen umfassten. In einem Zeitraum von durchschnittlich 7,5 Jahren sank das Sterberisiko der sozial eingebundenen Probanden gegenüber den mehr isoliert lebenden um 50 Prozent. Dieses Ergebnis erwies sich als unabhängig von Alter, Geschlecht und Todesursache. In der Studie wurde nicht berücksichtigt, dass es in einem sozialen Netzwerk auch negative Beziehungen gibt. Daher sei der gesundheitliche Nutzen von positiven Beziehungen wahrscheinlich noch deutlicher ausgeprägt, schreiben die Forscher. (Quelle: Tagesspiegel Berlin, 28. Juli 2010)

 


Im Suchtbereich wird außerdem seit Jahrzehnten belegt, dass diejenigen, die sich einer Gruppe angeschlossen haben, länger „trocken“ bleiben. Das ist ein Grund für die kontinuierliche Zusammenarbeit von Suchtkliniken mit Abstinenzverbänden. Die intensive Zusammenarbeit zum Beispiel im Suchtbereich oder in der Krebsversorgung trägt deutlich zur Verbesserung der
Lebensqualität der Patientinnen und Patienten bei.

 

Verbesserte Betreuung und Nachsorge von Patienten

 


Ein verändertes Krankheitsspektrum, d.h. mehr chronisch erkrankte, seelisch Kranke, ältere und multimorbide Menschen und eine höhere medizinische Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser, führen zu einer veränderten medizinischen und fallbezogenen Verantwortung der Krankenhäuser bei der Entlassung von Patientinnen und Patienten. Mit der Verpflichtung für ein geregeltes Entlassungsmanagement (§ 11 Abs. 4 SGB V) ist das Krankenhaus gehalten, an den Schnittstellen von stationärer und ambulanter Versorgung den Übergang zu regeln. Zu einer umfassenden „Nachsorge“ gehört auch die Vermittlung in informelle sorgende Netze.

 

Dabei kann die Selbsthilfe nützlich sein.