Bilder zu Krankenhäusern

Idee und Konzept

 


Spätestens seit der Vorgabe des Gesetzgebers, professionelle Versorgungssysteme durch Aktivitäten der Selbsthilfe zu ergänzen (SGB V §20), gelten Selbsthilfe-Initiativen als wichtige Partner für Einrichtungen des Gesundheitswesens und „Selbsthilfefreundlichkeit“ als ein bedeutendes Qualitätsmerkmal auf dem Weg zu mehr Patientenorientierung.

Selbsthilfe als komplementäre Unterstützungsform im Prozess der Behandlung und Gesundung ist ein mittlerweile anerkanntes Vorgehen und kaum noch wegzudenken aus der deutschen Versorgungslandschaft.

 

Das große Potential an Expertenwissen aus eigener Erfahrung, wechselseitiger Unterstützung und Information aus alltäglichen Bewältigungsstrategien als auch eine erhöhte Sensibilität für die eigene Gesundheit lässt Selbsthilfe für das System der Gesundheitsversorgung unter verschiedenen Gesichtspunkten interessant werden.

 

Das Zusammenwirken von Expertenwissen und Laienkompetenz hat auch das Hamburger Modellprojekt „Qualitätssiegel Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ aufgegriffen und in einer zweijährigen Projektphase (2004-2006) „Selbsthilfefreundlichkeit“ als Qualitätsmerkmal beispielhaft an zwei Hamburger Krankenhäusern etabliert. Grundlage hierfür bildeten acht Qualitätskriterien, die von einem fachübergreifenden Team als Orientierungshilfe entwickelt wurden (vgl. Seite 13-15).

 

Fakt ist, dass das Interesse an einer strukturierten Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und Selbsthilfe in der Fachwelt wie auch in der Selbsthilfe enorm gestiegen ist. So erklärt sich auch der Erfolg eines weiteren Pilotprojekts, der Erprobung einer „Agentur Selbsthilfefreundlichkeit in Nordrhein-Westfalen“ (02/2008), welches auf den Erfahrungen des Hamburger Modellprojekts aufbaut, sowie die Errichtung des Netzwerkes „Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen - Gemeinsam für Selbsthilfe und Patientenorientierung“ (2009). Gemeinsames Ziel ist es, „Selbsthilfefreundlichkeit„ bundesweit zu etablieren. Mit der Errichtung dreier weiterer regionaler Agenturen in Baden-Württemberg, Berlin-Brandenburg sowie Niedersachsen (04/2010) sollen die bisherigen Ansätze in der Zusammenarbeit nachhaltig gestaltet, d.h. durch eine strukturierte sowie systematische Herangehensweise untermauert werden.

 

Die „Agentur Selbsthilfefreundlichkeit Berlin“ ist angesiedelt bei SEKIS und hat sich zum Ziel gesetzt, neue oder bereits bestehende Formen der Zusammenarbeiten von Krankenhäusern und der Selbsthilfe nachhaltig zu etablieren.

 

Inhaltlich und finanziell wird das Projekt gefördert durch den BKK Bundesverband GbR und den BKK Landesverband Mitte. Die in dieser Broschüre aufgeführten Beispiele erfolgreicher Kooperationen im Raum Berlin-Brandenburg sollen als Ermunterung für interessierte Einrichtungen und Selbsthilfe-Initiativen dienen über die bisherigen Schritte hinaus eine Koordination gezielt anzusteuern.   

 

 


Hintergrund

 

Der Konzeptansatz beruht auf den Erfahrungen des Hamburger Modellprojekts „Qualitätssiegel Selbsthilfefreundliches Kranken-haus“, das unter der Projektleitung der KISS und der wissenschaftlichen Begleitung von Prof. Dr. Alf Trojan von 2004 - 2006 durchgeführt und in zwei Hamburger Krankenhäusern praktisch erprobt wurde.  Gemeinsam mit Vertretern aus dem Qualitätsmanagement und der Selbsthilfe wurden acht Qualitätskriterien (s. S14) sowie ein standardisiertes Verfahren zur Vergabe eines Qualitätssiegels entwickelt und erprobt.

In einem Folgeprojekt, das die Gesellschaft für soziale Projekte mbH 2008 in NRW durchführte, wurde exemplarisch in Krankenhäusern ein spezielles Verfahren entwickelt und erprobt, um die Kooperation zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfe auf Basis der Qualitätskriterien zu fördern.

Ebenso wurde erprobt, inwieweit Selbsthilfekontaktstellen als sog. „Agenturen Selbsthilfefreundlichkeit“ geeignet sind.

 


 

Konzept

 

Kernelement des Konzepts ist die Gestaltung einer strukturierten und systematischen Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfezusammenschlüssen und Gesundheitseinrichtungen entlang von Qualitätskriterien zur Selbsthilfefreundlichkeit. Die Agentur Selbsthilfefreundlichkeit nutzt ihre Kernkompetenz und initiierte den Brückenschlag zwischen den Akteuren und unterstützt diese sowohl inhaltlich wie methodisch.

 

Die Agentur Selbsthilfefreundlichkeit unterstützt Gesundheitseinrichtungen bei der Implementierung der Selbsthilfekriterien in ihren Einrichtungen. Auf welche Weise die Qualitätskriterien von der Gesundheitseinrichtung vor Ort umgesetzt werden, hängt ab von der Expertise und den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der relevanten Akteure, die von Beginn an einbezogen werden. Die Agentur achtet dabei auf die Entwicklung einer strukturierten und systematischen Kooperation:

Strukturiert ist eine Kooperation dann, wenn sich die Gesundheitseinrichtung wie auch die Selbsthilfe  an den jeweiligen Qualitätskriterien orientiert.

Systematisch ist eine Kooperation dann, wenn die Ergebnisse der vereinbarten Zusammenarbeit methodisch überprüfbar und nachvollziehbar sind.

 


 

Regionaler Aufbau einer strukturierten und systematischen Zusammenarbeit

 

Sobald Interesse am Konzept seitens einer Gesundheitseinrichtung, einer Selbsthilfekontaktstelle oder Selbsthilfegruppen signalisiert wird, bzw. von der Agentur angeregt werden konnte, nimmt die Agentur ihre Arbeit zur Implementierung des Ansatzes Selbsthilfefreundlichkeit auf.

Wesentlich ist es, die von der Agentur gesetzten Impulse für alle beteiligten Partner von Beginn an transparent zu gestalten und die Kooperationsbeziehung weiterzuentwickeln. Dazu werden am jeweiligen Standort der Gesundheitseinrichtung alle drei Partner zur Zusammenarbeit angesprochen, so dass ein „Beziehungsdreieck“ entsteht.

 


 

Arbeitsprinzip: Zusammenarbeit der Akteure vor Ort

 

Informationen zum Konzept und das Arbeiten an den damit verbundenen Aufgaben gehen einher mit dem Bewusstmachen der bedeutsamen Rolle, die jeder Partner für das Gelingen einer nachhaltigen Kooperation einnimmt. Aufgabe der Agentur ist der Aufbau einer direkten Kommunikationsstruktur mit allen Beteiligten im Hinblick auf den Arbeitszusammenhang.

Das Angebot der Agentur umfasst folgende Schwerpunkte:

  •             Vermittlung von Informationen über Selbsthilfe
  •             Beratung zur Gestaltung von Kooperationen
  •             Unterstützung bei der Umsetzung der Qualitätskriterien